|
30. April 2010
Es sei einem Nichtfechter mal ein kritisches Wort in un-eigener Sache erlaubt ...
Als durchaus aktiver Sportler, auch Teilnehmer von Wettkämpfen in Sportarten, die nicht zum Fechten zählen, seltener "Treppchen-Steher", arbeite ich beruflich in einer Branche, deren Haupt-Aufgabe darin liegt, Firmen, Organisationen oder auch Personen interessant für andere zu machen. Das geschieht zunächst mal über ein so genanntes "Erscheinungsbild" mit Name, Logo, Firmenfarben, etc. Entscheidend wird es aber bei der Selbstdarstellung, die verstanden werden soll, bei der Kommunikation mit der Zielgruppe, die eventuell noch von nichts weiß.
Es hat wenig Sinn, "vor den Konvertierten zu predigen". Es ist müßig, Fachleuten eine Sache, eine Idee, ein Unternehmenskonzept zu erklären, Lust auf eine Sache zu machen. Erreicht werden müssen auch und vor allem die, die - um mal wieder zurück zum Sport zu kommen - das Fechten gar nicht oder nur flüchtig kennen. Und der Hasper Fecht-Club sieht seine Aufgabe darin, Menschen aller Altersklassen für den Fechtsport zu begeistern. Das geht nicht, wenn man sich selbst nur abfeiert, wenn man nur Siege erwähnt und damit suggeriert, dieser Sport sei nur etwas für geborene Sieger, die alles schon können.
Beim Fußball sieht man das Siegestor, ein Foto von einem fußballerischen Zweikampf, den Torwart, der den Ball im Sprung greift und hält, beim Skifahren den Skifahrer auf der Piste, beim Schwimmen den Schwimmer im Wasser oder beim Sprung in Selbiges, man sieht den Radfahrer, der mit hochgerissenen Armen oder aber gebückt im harten Kampf durchs Ziel fährt. Gut: Beim Gewinn der Weltmeisterschaft, einer olympischen Goldmedaille, da sieht man die Siegerehrung. Aber immer auch das eine oder andere Foto, das schlicht und ergreifend Lust macht. "Das will ich auch machen!", denkt der Betrachter dann. Und nicht alle denken nur in den Kategorien von "Sieger oder Verlierer".
Wenn man sich die Fotos ansieht, die die Redaktion der Website von Turnieren erreichen, könnte man meinen, dass im Fechtsport alles jenseits von Platz 3 nicht zählt und man allgemein immer nur auf Treppchen oder vor tristen, an die Wand gelehnten Trunmatten rumsteht und Urkunden oder Pokale in die Kamera hält. Alles andere findet scheinbar visuell nicht statt, wird verschwiegen, entschuldigt, nicht erwähnt. Ausschließlich Fotos von Siegerehrungen bzw. Sieger-Aufstellungen sind auf den Fotos zu sehen. Nicht ein einziges Foto, auf dem eine der Fechtwaffen bei dem zu sehen ist, für das sie gemacht ist: Das Gefecht.
Fällt das den aktiven Fechtern nicht auf? Merken die Fotografierenden das nicht? Soll den Kindern das vermittelt werden: Sieg oder es ist niemals geschehen? So gut sind sie alle nicht. Ein Sieg ist nicht selten auch dem Glück zu schulden, dass der Gegner einen schlechten Tag hatte, die ausgeloste Paarung vorteilhaft war, etwas passiert, das nicht aktiv beeinflusst werden konnte. Wer nicht gut ist, gewinnt vermutlich auch nicht. Aber gibt der oder die nicht möglicherweise trotzdem sein Bestes, geht am Ende über sich hinaus und könnte einen persönlichen Sieg feiern? Ist die Leistung eines Anfängers, der auf Platz 23 landet nicht eventuell viel höher als der 1. Platz des sprichwörtlichen "Einäugigen unter den Blinden"?
Außenstehende könnten den Eindruck gewinnen, dass es beim Fechten nur ganz am Rande um den sportlichen Zweikampf mit Florett, Degen oder Säbel geht. Selbst bei den "Siegern" frage ich mich zwangsläufig, wofür haben die denn nun die Urkunde oder gar den Pokal bekommen: "Kann man da mal was sehen?" Nicht dass ich die Leistung bezweifle, aber die immergleichen, mit automatischer Belichtung und Brutalblitz aufgenommenen Fotos von meist jungen Fechtern, die ihre Trophäen in die Kamera halten, hinterlassen einen faden Nachgeschmack.
Es wäre so schön, wenn von Turnieren mal das eine oder andere Foto käme, das tatsächlich den Fechtsport zeigt. Ein Gefecht, ein Kampf, in dem zwei Kontrahenten ihr Bestes geben und diesen auch optisch sehr attraktiven Kampfsport ausüben, sieht gut aus, schafft Interesse, erklärt und macht Lust auf Fechten. Das Turnier, der Wettkampf ist doch die Gelegenheit, zu beweisen, was man im Training gelernt hat. Die eigentliche Leistung wird dann nur durch die Siegerurkunde dokumentiert - im besten Fall (Platz 1, 2 oder 3).
Die Fotos von Siegerehrungen sind zwar schön für die Gezeigten und deren Verwandte, aber - seien wir mal ehrlich - für niemanden sonst. Wirklich niemanden. Solche Fotos sollten immer nur Ergänzung zur eigentlichen Sache sein: Das Gefecht. Maximal aus der Kleidung - wenn man sich denn damit auskennt - kann man ahnen, worum es überhaupt geht.
Man gewinnt zudem den Eindruck, dass nur um Siegerehrungen geht. Das wiederum baut einen unglaublichen Leistungsdruck auf und vermiest denen, die nicht gesiegt haben - z.B. weil sie in einer umfangreichen Altersklasse mit wirklich harten Gegnern angetreten sind - jeden Spaß. Die Anerkennung im Bild wird mangels Insignien des Triumphs (Urkunde, Pokal, Medaille) vorenthalten.
Also, liebe fotografierende Fechter, Trainer, Eltern, Großeltern, Journalisten: Versucht bitte mal, im Bild wiederzugeben, was Fechten ist! Schöne Aufnahmen von Gefechten. Paraden, Riposten, gewagte Ausfällen, Angriffe, Verteidigungen und elegante Paraden sind gefragt. Die machten das Fechten aus.
Die strahlenden Sieger können selbstverständlich auch abgebildet werden. Aber doch bitte nicht nur. Persönliche Leistungen sollten erwähnt, dokumentiert und gezeigt werden. Nur so macht ein Sport Spaß. Nur so wird er kommuniziert und hat eine Chance auf Popularität und Weiterentwicklung.
Denkt mal drüber nach ...





